Miri’s Diplomarbeit macht Furore

Kuriose Idee perfekt umgesetzt
Die Elemente des Handballsports seziert, analysiert und anschließend in anschauliche Grafiken verpackt: Miriam Geschwandtner präsentiert ihre Diplomarbeit.Foto:

Die Elemente des Handballsports seziert, analysiert und anschließend in anschauliche Grafiken verpackt: Miriam Geschwandtner präsentiert ihre Diplomarbeit. Foto:
(Jürgen Peperhowe)

Münster – Wie viele Tore haben die Linkshänderinnen erzielt, wie sieht es mit den Trinkpausen während des Spiels aus, warum hat nach der Pause die Abwehr gewackelt? Wer bereitet sich wie auf ein Spiel vor, wie sieht es mit zusätzlicher Fitnessarbeit aus? Miriam Geschwandtner geht diesen und vielen anderen Details des Handballs auf den Grund, um am Ende ein großes Ganzes abzuliefern. Eine Diplomarbeit im Fach Grafik-Design. Praktisch für die 27-Jährige, dass sie die Datenerfassung direkt in ihrer Mannschaft, der Verbandsligatruppe von Westfalia Kinderhaus, vornehmen konnte. „Alle haben gerne mitgemacht“, freut sie sich über die Unterstützung des gesamten Teams. Noch günstiger: Ihre zwei Professorinnen waren früher selbst Handballerinnen und konnten mit dem Thema so richtig viel anfangen.

Eine langwierige Verletzung kann auch etwas Gutes haben. Über ein Jahr lag Miriam Geschwandtner „auf Eis“, weil sie umgeknickt war und sich dabei eine Knocheninnenblutung zugezogen hatte. Eine seltene Verletzung mit dem gravierenden Nachteil, dass der Heilungsprozess sehr lange dauert. Komplettes Sportverbot war für die sportliche junge Dame fast die Höchststrafe, mit der sie sich nur schwer arrangieren konnte. Aber sie machte aus der Not eine Tugend und schob ihre Diplomarbeit kräftig an. Die Hinrunde in der laufenden Verbandsligasaison verbrachte sie nicht nur mit Daumendrücken, sondern auch mit Datenerfassung auf der Westfalia-Bank. Nichts blieb unbemerkt, alles wurde festgehalten. Aber von sämtlichen Daten konnte sie allenfalls zehn Prozent in ihrer Arbeit grafisch unterbringen.

„Ich wollte die Faszination dieser Sportart grafisch darstellen. Viele Kleinigkeiten machen das große Ganze aus, genau das soll zum Ausdruck kommen.“ Miriam Geschwandtner verhehlt nicht, dass es für sie eine Gratwanderung war, niemanden bloßzustellen, aber die Gegensätze aufzuzeigen. Es galt, Dinge aufzudecken, aber immer das Gleichgewicht zu halten.

Mit ihrem Fragebogen traf sie den Nerv. Nur ein Beispiel: Welche Wurftechniken beherrscht ihr? – Natürlich alle. Welche wendet ihr an? – Leider nur sehr wenige. So manche Spielerin wurde nachdenklich. Einige spielen sehr bewusst Handball, einige „einfach nur so“. Mancher jungen Dame fehlt es an Kraft, anderen an Technik. „Das ist einfach so, lässt sich aber durch gezieltes Training ausgleichen.“

Miriam Geschwandtner weiß, wovon sie spricht. Sie ist seit 13 Jahren Handballerin aus Leidenschaft, spielte lange beim TV Verl, schaffte es dort bis in die Oberligamannschaft und ist seit 2006 bei Westfalia Kinderhaus. „In einer sehr homogenen und wunderbar funktionierenden Mannschaft.“ Mit vielen Auswärtigen, die sich prächtig arrangieren. Die Trainer Thomas Rieke, Andreas Scheipers und Alfred Korthaneberg hat sie erlebt und tut es noch. Auf jeden der drei ist sie gut zu sprechen.

Inzwischen darf Miriam Geschwandtner wieder trainieren und möchte zur Vorbereitung auf die neue Saison richtig fit sein. Als Rechts- oder Linksaußen wird sie mithelfen, dass es mit der Westfalia weiter aufwärts geht. Das ist beschlossene Sache.

Ebenfalls beschlossen ist, dass die junge Dame eine Anstellung in einer Osnabrücker Werbeagentur gefunden hat. Der dortige Chef war durch die pfiffige Diplomarbeit auf seine zukünftige Mitarbeiterin aufmerksam geworden, lud sie zum Gespräch und stellte sie danach direkt ein. Ein Glücksfall für die FH-Studentin, den nicht jede Kommilitonin erlebt. Nach Osnabrück wird Geschwandtner nicht ziehen. Dafür lebt sie viel zu gern in Münster und spielt noch lieber Handball in Kinderhaus

Quelle:  Westfälische Nachrichten Münster
24 · 03 · 10

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